Die Mustermacherinnen
Seit 2017 gebe ich nun schon Häkel-Workshops, die zu 99 Prozent auf meinen eigenen Anleitungen basieren. Bis März 2025 fanden diese Kurse in Kärntens größtem Wollfachgeschäft Wolle Wohlgemuth in Maria Saal statt. Seit April des Vorjahres treffen wir uns im schönen Café am Hauptplatz 7, unmittelbar neben dem prächtigen Maria Saaler Dom. Jeweils mittwochs und freitags versammeln sich dort zehn bis fünfzehn handarbeitsbegeisterte Frauen und lassen ihrer Kreativität freien Lauf. Ich habe das große Glück sie dabei begleiten zu dürfen.
Diese Nachmittage bedeuten mir viel. Sie spiegeln wider, dass die Liebe zu einem Hobby Menschen verbindet, zu Freunden macht. Es liegt praktisch in der Natur der Sache, dass sich da ein ziemlich verrückter Haufen zusammenfindet. Es gibt alle nur erdenklichen Arten von Motiven, weshalb man sich einer solchen Gruppe anschließt. Die Einen wollen dem Stress des Arbeitsalltages entfliehen, die Anderen sich sinnvoll beschäftigen. Manche möchten im Ruhestand nicht einsam sein, andere sind recht froh, wenn sie ihren Göttergatten für zwei Stunden zu Hause lassen dürfen. Einige möchten mit selbstgemachten Stücken ihre wundervolle Persönlichkeit unterstreichen, andere häkeln und stricken nur weil sie die Tätigkeit an sich faszinierend finden. Allen gemeinsam ist, dass Handarbeit Entspannung in ihr Leben bringt.
Man kann sich gut denken, dass diese gemeinsamen Stunden nicht ausschließlich zum Handarbeiten genutzt werden. In erster Linie wird viel, sehr viel geredet. In Kärnten sagt man dazu „ratschen“. Jeder erzählt von seinem Alltag während die Nadeln geschwungen werden. Und jeder kommentiert natürlich die Berichte über den zickigen Chef, den kranken Hund, die Entwicklungsschritte der bezaubernden Enkelkinder oder die jüngst besonders gut gelungene Torte. Ich kann aus jahrelanger Erfahrung sagen: Nichts bleibt unbesprochen! Bei fortschreitendem Alter gesellen sich auch diverse Gesundheitsthemen dazu.
Selbstverständlich wird auch viel gefachsimpelt. Welche Nadelstärke passt perfekt zur neuen Wolle? Kann das neue Modell auch in der Länge verändert werden? Muss eine Maschenprobe gemacht werden? Was mach ich, wenn mir vom vielen Häkeln die Hände weh tun? Kratzt das Glitzergarn auf der Haut? Schaust du fern beim Handarbeiten? Es gibt immer relevante Themen, die abgehandelt werden müssen. Das Beste daran? Es gibt immer viele hilfreiche Tipps und Tricks, die gerne mit allen geteilt werden. So entwickelt sich eine einmalige Dynamik. Es entstehen Freundschaften, die weit über das gemeinsame Häkeln oder Stricken hinausgehen. Jeder bringt seine Stärken in die Gruppe ein. Davon profitieren dann alle. Außerdem wird bei Kaffee und Kuchen extrem viel und laut gelacht.
Gerade in einer Zeit, die so viel Angst und Unsicherheit mit sich bringt, die sich mit täglich neuen schlechten Nachrichten in unsere Leben drängt, ist das Zusammengehörigkeitsgefühl in einer Gruppe wie unserer unendlich wertvoll. Wir fühlen uns geborgen miteinander. Wir lieben alle das Gefühl, wenn weiche Wolle über unsere Finger gleitet und auf fast magische Art macht das alles andere um uns herum einfach auch ein bisschen weniger hart.
Ich persönlich liebe vor allem den Moment, wenn jemand sein fertiges Projekt präsentiert. Das Glück und der Stolz sind so deutlich zu sehen und zu spüren…das ist einfach großartig. Und weil wir alle an der Nadel hängen, wissen wir um die vielen Stunden, die in eine neue Jacke oder ein cooles Top investiert wurden. Wertschätzung und Respekt für die Arbeit steht im Vordergrund. Und wer einmal hängen bleibt, wird nicht hängen gelassen. Ganz im Gegenteil: Wir motivieren uns, wir ermutigen einander!
Natürlich feiern wir uns, unsere Arbeiten und das Beisammensein bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit. Weihnachten, Ostern, Geburtstage, Internationaler Tag der Handarbeit…wir sind immer „in the mood for a party“. Wir gönnen uns schöne Wolle, ausgefallene Häkel- und Stricknadeln, zuckersüße Maschenmarkierer, verrückte Taschenbaumler und luxuriöse Aufbewahrungen. Wir können stundenlang in meiner dicken Lang-Yarns-Mappe schmökern und dabei Ideen für neue Projekte sammeln. Wir können einfach gut miteinander.
Wir sind natürlich auch immer offen für neue Menschen, die sich uns anschließen möchten. Von etwas Gutem kann es eben nie genug geben. Wer also Interesse hat Teil dieses verrückten Haufens zu werden, den wir „Die Mustermacherinnen“ nennen, ist herzlich eingeladen sich bei mir via E-Mail (regina.schwarzfurtner@gmx.at) oder telefonisch unter 0650/8465003 zu melden.


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